Irrlichter

Meine Federn sind empfindlich. Manchmal sind sie wie streunende Hunde, die vor den Menschen hecheln. Dann werden sie gestreichelt, zu fest, zu innig, mit klebrigen, süchtigen Fingern. Ich laufe in meinen Nachtturm und beobachte den einen schwarzen Fisch, der mir bleiche Knochen zu denken gibt. Ich fliehe über die Wendeltreppe durch Fenster mit Buntglas. Ich„Irrlichter“ weiterlesen

Februar Notate

Über dem Fluss Februarlicht, sonnengefärbt. Ich treibe in dunklen Blüten am Sand der Gründe. An den Randzonen der Stille fällt Bitterkeit aus dem rostroten Regen. Mein sicherer Tag faltet sich zur zögernden Nacht. Ich glaube an die Gewittergesänge in den Ambitionen des Mondes. Nebelchöre sehen in mein Haus daraufhin. Von den Wänden fließen darin Tränen„Februar Notate“ weiterlesen

Ein morsches Licht. Anke Glasmacher

Die Gedichte von Anke Glasmacher sind wie heißer Nachtregen, der über das Land zieht. Sie schleudern die Sinne, indem sie die Kälte herausfordern, mit ihrer klaren, gläsernen Sicht auf die Welt und den Moment: „nichts bezaubert so / wie das leiden des dichters / der mit seinem stift versucht / der kalten tinte zu entfliehen„Ein morsches Licht. Anke Glasmacher“ weiterlesen

Somnia

Durch gläsernes Blau fällt ein Lichtstrahl aus zitternden Gebirgen in meine bittenden Gärten, da wo die Zangen der Nacht begraben liegen. Tau über den Gebrechen meiner Winterhalme. Ich weide ihr Sehnen bis in die Adern des Sommers. Zögernde Rinden. Noch sind die Zweige der Kirschbäume kahl. Der Tod steckt im Winter und schläft mit offenen„Somnia“ weiterlesen

Suche. Indigo

Meine Liebe an goldenen Klippen küsst die blassen Lippen des Meeres. Ich bin dein Seevogel in den Nächten des Windes und gehe am Tag mit gebrochenen Füßen über das Land. Ich trinke deine Treue unter dem Gewicht des Mondes. Deine Hände, weicher, sonnenwarmer Sand. Ich verliere mich in den wasserblauen Augen deines Lichts und warte„Suche. Indigo“ weiterlesen

die krankheit wunder. le beatitudini della malattia. Roberta Dapunt

In stillen, schattigen Bächen fließen die Gedichte dieses Lyrikbandes, die die Demenz zum Thema haben, zum Leser und zur Leserin. Das ansehnliche Pas de deux zwischen Kunst und Psychopathologie, das die Intimität zwischen Uma, was im ladinischen Mutter heißt, und dem sie pflegenden lyrischen Ich eröffnet, ist eindrucksvoll und in hohem Maß authentisch: „Und derweil„die krankheit wunder. le beatitudini della malattia. Roberta Dapunt“ weiterlesen

Rosengewitter

Zerrissene Milch fließt durch die Straßen meiner inneren Städte. Über den zerträumten Nächten weiße Glut. In den Zügen reisen Wörter mit gebrochenen Flügeln. Ihr Blut rinnt über meine Hände in weiche Schrift. Meine Minuten laufen durch Kathedralen, taubensanft. Blasser Tropfen Licht fällt auf schwangere Herzen. Rosengewitter im März. Du bist mein Psalm, der rote Punkt„Rosengewitter“ weiterlesen

in adern dünn brach licht. Axel Karner

Die markanten Gedichte von Axel Karner fliehen die Schatten, ohne sie zu leugnen. Das macht den Grundton ernsthaft zauberhaft. Die Bilder sind eindrücklich, mal schön, mal schaurig. Es gibt mehrere schillernde Ebenen der Betrachtung, um zur Wahrheit zu kommen, dem vermeintlichen Idyll: „Die Eingänge der Dörfer säumen Kletznbirn, / den Pfad gen Paradies ziert ein„in adern dünn brach licht. Axel Karner“ weiterlesen

Wachtraum später

Unter der Schneelast die Anklage der jungen Zweige. Sie fallen nach Süden, in die Sentimentalität der Eichhörnchen. In den Herbstverstecken goldene Nüsse deshalb. Ich halte Ausschau nach dem Honigmund. Aus ihm tropft weise Süße in die leeren, kalten Schalen. Aber an den Klippen immer noch Eis und Nachtflügel, die die Zukunft vertreiben. Der Boden ist„Wachtraum später“ weiterlesen

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