Vom Süden

In der engen Gasse fallen meine Stunden in rote Schalen. Der Oleander hat Hitze gesogen. Ich lege einen heißen Zweig zwischen die Seiten deines ungeschriebenen Buches. Über den weißen Mamor fließt eine dunkle Elegie, aber deine Hände sind Schmetterlinge. Du nährst dich von gekreuzigter Milch und entstehst neu. Kerstin Fischer

Ein Stück aus Wind

Der Boden im Garten ist warm und ohne Nacht. Mein Dunkel haben die Bäume vergessen. Und sie sind nicht nachtragend. Die Farben meiner Bilder blättern von ihren Rinden in den einsamen Apfel auf der Bank, an der Weide des Geschlechts. Ich verlasse mein wolkentrockenes Haus und lege mit weißen Nüssen meine Patience in die Abrissbauten„Ein Stück aus Wind“ weiterlesen

Poetische Aussichten

Bis November werde ich auf meinem Blog ausschließlich eigene Lyrik veröffentlichen. Danach bespreche ich dann auch wieder aktuelle Lyrikbände, deren Poesie mich besonders anspricht. Darunter wird jene sein von Philippe Jaccottet, des großen Dichters, aber auch die der jungen isländischen Poetin Frída Ísberg, deren Gedichte Wolfgang Schiffer und Jón Thor Gíslason übersetzt haben. Und auch„Poetische Aussichten“ weiterlesen

Héloise

Die totgeglaubte Nacht fällt aus den rosa Muscheln in schwarzen Wind. Der nackte, regungslose Körper der Straße hat junges Licht verschluckt. Tränen fallen als reife Beeren auf pfirsichweiche Haut. Die erwachenden Knospen wie gesprungenes Porzellan, mit Rissen aus dunklem Fluss. Zwischen dem Schilf wächst das zarte Haus und verliert seine geschnitzten Türen an den grauen„Héloise“ weiterlesen

Vor dem Ende des Gedichts

Das Morgengrauen vor meinem Punkt, dem leichten Stein in der noch blassen See. Algenwachen. Die Rauchzeichen kommen vom Ufer her. Dort ist die Schminke unruhig. Über die dicken Lippen quellen Berichte sagenschwer auf der gepflügten Fifth Avenue. Mikrophone aus Zucker, zuckersüß. Schnalzende Gier. Die Stimmen wie Schlangen über dem Boden zwischen weißen Pferden. Stutenmilch im„Vor dem Ende des Gedichts“ weiterlesen

Zeit der Winterfische

Im Spiegel des Glastisches im Garten Seevögel in neugeborenen Stunden für die Herbstblätter auf meinen Schultern. Der Eros des Sommers sinkt in den Fluss, zu den Winterfischen. Aus meinem Ende regnet rotwangige Frucht. Ich fange die Wörter aus den Städten und trockne sie in Wäldern. Zwischen blinzelndem Moos ist der Weg schmal am Traum mit„Zeit der Winterfische“ weiterlesen

Weißes Fragment

Das Warten schmilzt über den roten Dächern. Von den Wänden bröckelt knochenlose Zeit in den Geruch meiner Hände. Ich fülle den leeren Koffer mit Sekunden, die Wochen gebären. Die Krankenzimmer blühen. Das Weiß ihrer Wäsche fließt zwischen die Pappeln im Park. Ich gehe zu den Pfauen und folge ihren blauen Schritten, bis in die Winterweiden,„Weißes Fragment“ weiterlesen

Noch vor deiner Ankunft

Auf den Märkten werden die Birnen zu Steinen. Steinigung der Passanten vor den Augen deiner Poesie. Traubenreife Gedanken zimmern Säle, dämonenwarm. Sie brechen den Wörtern das Genick. Buchstabenheere, die auf Schiffe stürmen nach Übersee, ohne Seenot. Die kleinen, schwarzen Falter mit ihren dunklen Herzen haben die Finger für die Regenzeit lackiert. Auf dem Boden sind„Noch vor deiner Ankunft“ weiterlesen

Die Sprache des Taus

Die schwarzen Zweige hinter dem jungen Gesicht mit seinen meergefüllten Augen. Kirschen tropfen auf das Leichentuch, wenn die Väter gehen. In der blassen Höhle des Echos Mauern, weich wie Libellenflügel. Sie stehen in ruhigem, blauen Gras. Verstehst du die Sprache des Taus an diesem fremden Morgen? Die Welt fällt in zwei Hälften, wenn die Väter„Die Sprache des Taus“ weiterlesen

Schräg am Federbug. Leo Pinke

Die Gedichte von Leo Pinke sind kryptisch schön und pulsieren in einem feinen, zurückhaltenden Rhythmus ins lyrische Nirwana. Dies mit einer erstaunlichen Wucht und Schärfe: „Einsam legiert abwesendes Leben / das Kupferstück in der Hand – / “. Mit Akribie ist auch die Natur darin handverlesen wie die Zweige der zwischenmenschlichen Räume und ihrer Intarsien:„Schräg am Federbug. Leo Pinke“ weiterlesen

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