Winterseite

Auf die Winterseite meines Spiegelbildes fällt ein Tropfen Tod. Er schweigt mir das Licht aus der Stirn und küsst meine rot geschminkten Lippen. Aus den Uhren fallen bleiche Ziffern in meinen Schoß. Ich öffne den Zaunkönigen das Fenster. Sie fliegen in die Schatten der Fragen nach fremden Stunden mit Gebrechen aus Wind. Meine Zeit, eine„Winterseite“ weiterlesen

Nachtpsalmen

Die Geräusche des Zuges schlüpfen aus ihren Muscheln. Zwischen meinen Fingern der Kitt verlassener Wünsche. Ich greife nach den Flügeln des Kindes. Wir müssen der blutroten Sonne vertrauen, wenn die Zukunft ihre zähen Gesichter formt. Ich schneide die Herzen der Fragen aus deinen Silben und wittere Licht in den hungernden Minuten. Über den Gleisen schon„Nachtpsalmen“ weiterlesen

Gegen acht im Park. Ursula Maria Wartmann

An den feinen, gleichmäßigen Nähten dieser Gedichte flammen schillernde Bilder. Das macht die Verse feuerhell. Darüber hinaus sind sie hinreißend in ihrer Sprachmelodie, die um die Erfahrbarkeit der Welt ringt, sie immer wieder findet und feiert, dabei ihren Sinn aber nur touchiert: „ Knattern der Zelte im Foyer streunt / der Fuchs durch das stete„Gegen acht im Park. Ursula Maria Wartmann“ weiterlesen

Irrlichter

Meine Federn sind empfindlich. Manchmal sind sie wie streunende Hunde, die vor den Menschen hecheln. Dann werden sie gestreichelt, zu fest, zu innig, mit klebrigen, süchtigen Fingern. Ich laufe in meinen Nachtturm und beobachte den einen schwarzen Fisch, der mir bleiche Knochen zu denken gibt. Ich fliehe über die Wendeltreppe durch Fenster mit Buntglas. Ich„Irrlichter“ weiterlesen

Februar Notate

Über dem Fluss Februarlicht, sonnengefärbt. Ich treibe in dunklen Blüten am Sand der Gründe. An den Randzonen der Stille fällt Bitterkeit aus dem rostroten Regen. Mein sicherer Tag faltet sich zur zögernden Nacht. Ich glaube an die Gewittergesänge in den Ambitionen des Mondes. Nebelchöre sehen in mein Haus daraufhin. Von den Wänden fließen darin Tränen„Februar Notate“ weiterlesen

Ein morsches Licht. Anke Glasmacher

Die Gedichte von Anke Glasmacher sind wie heißer Nachtregen, der über das Land zieht. Sie schleudern die Sinne, indem sie die Kälte herausfordern, mit ihrer klaren, gläsernen Sicht auf die Welt und den Moment: „nichts bezaubert so / wie das leiden des dichters / der mit seinem stift versucht / der kalten tinte zu entfliehen„Ein morsches Licht. Anke Glasmacher“ weiterlesen

Somnia

Durch gläsernes Blau fällt ein Lichtstrahl aus zitternden Gebirgen in meine bittenden Gärten, da wo die Zangen der Nacht begraben liegen. Tau über den Gebrechen meiner Winterhalme. Ich weide ihr Sehnen bis in die Adern des Sommers. Zögernde Rinden. Noch sind die Zweige der Kirschbäume kahl. Der Tod steckt im Winter und schläft mit offenen„Somnia“ weiterlesen

Suche. Indigo

Meine Liebe an goldenen Klippen küsst die blassen Lippen des Meeres. Ich bin dein Seevogel in den Nächten des Windes und gehe am Tag mit gebrochenen Füßen über das Land. Ich trinke deine Treue unter dem Gewicht des Mondes. Deine Hände, weicher, sonnenwarmer Sand. Ich verliere mich in den wasserblauen Augen deines Lichts und warte„Suche. Indigo“ weiterlesen

die krankheit wunder. le beatitudini della malattia. Roberta Dapunt

In stillen, schattigen Bächen fließen die Gedichte dieses Lyrikbandes, die die Demenz zum Thema haben, zum Leser und zur Leserin. Das ansehnliche Pas de deux zwischen Kunst und Psychopathologie, das die Intimität zwischen Uma, was im ladinischen Mutter heißt, und dem sie pflegenden lyrischen Ich eröffnet, ist eindrucksvoll und in hohem Maß authentisch: „Und derweil„die krankheit wunder. le beatitudini della malattia. Roberta Dapunt“ weiterlesen

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