Kyung. Eva Maria Leuenberger

„Dicteé“, daran hatte sich Eva Maria Leuenberger, die mit dem lyrischen Ich wohl gleichzusetzen ist, infiziert. Dictée ist ein „palimpsest einer fragmentierten identität“ und das einzige Buch der koreanischstämmigen, feministischen Avantgardekünsterlerin Theresa Hak Kyung Cha. Es handelt von „Identität“, „Macht“ und „Sprache“, wie den Anmerkungen Eva Maria Leuenbergers zu entnehmen ist. Der Tod Chas, die„Kyung. Eva Maria Leuenberger“ weiterlesen

Wartend

Ich laufe durch das Karree des Sommers und ziehe an der Zigarette aus Herbst auf den Fluren der Klinik. Aus metallischen Mündern fallen stumm Brote in meine wachsamen, zedernhellen Hände, die in Muttersprache schreiben. Gewässertes Wort. Am Fenster pickt die Amsel die Zeit aus den Rahmen. Ich gehe ein Stück mit ihr und falle in„Wartend“ weiterlesen

Sonnenwenden. Ágnes Nemes Nagy

Die Verse der ungarischen Lyrikerin Ágnes Nemes Nagy ( 1922-1991) schillern wie Seeraupen, sind unterwürfig, ohne erlegen zu sein, weiden sich, perlen, stürzen Täler hinab und vibrieren unter der Waghalsigkeit, sich einem Gott zu nähern wie in dem Zyklus „ Aus Echnatons Aufzeichnungen“: „Etwas müsste ich doch / gegen die Qual tun. / Einen Gott„Sonnenwenden. Ágnes Nemes Nagy“ weiterlesen

Magma

Der kommende Schnee bricht meinen Körper. Die schwarzen Vögel in den einsamen Fenstern traue ich mir zu und die Scherben von Stimmen auf spiegelblanken Fluren. Das Haus ist abgerissen für die Dauer eines Traums. Sechs Wochen lang in fremdem Quartier. Die Ruhe aus Blech liegt über der orangen Decke. Ich zeichne den Wintergarten in das„Magma“ weiterlesen

Davor

Aus dem Ende fließt Licht in meine Hand, fließt wie Milch über meine wunden Knochen, die auf Venedig warten. Ich gehe entlang des Zauns. Magerer Himmel fällt auf mein Gesicht. Ich ziehe meinen Karren Glück über die Schulter der Erde. Im Zimmer der Mutter ist die Totenmaske noch Mohnblüte – dein weißer, harter Gesang …„Davor“ weiterlesen

Einmal hatten wir schwarze Löcher gezählt. Raoul Eisele

Die Gedichte von Raoul Eisele sind zarte Libellenflügel, die sich durch das feine Geäst der Innenreiche der Geliebten des lyrischen Ichs bewegen. Dennoch, sie bleiben auf dem Weg zu „mon amour“, mit dem verborgenen Wissen, dass man den anderen weder begrenzen noch ganz erreichen kann. Alles bleibt somit grazile Annäherung an den absoluten Moment mit„Einmal hatten wir schwarze Löcher gezählt. Raoul Eisele“ weiterlesen

Kriegsfeder. Vision I

Die Angst aus dem alten Krieg züngelt in mein oleandersattes Sommerhaus, mit eisernen Seelen, die die Schatten gierig machen. Die Kinder frieren nun im Garten. Raben fliegen an ihre leeren Schalen und picken die Kerne aus streunenden Nächten, mitten am Tag. Die Bomben im müden Gras zerreißen Schmetterlinge vor den Mäulern träumender Hunde. Der unbekannte„Kriegsfeder. Vision I“ weiterlesen

Neue staubige Tage. Nuovi giorni di polvere. Yari Bernasconi

Die Asche, die aus der Philosophie der Zerstörung fällt, hat Yari Bernasconi auf seiner Europareise aufgefangen und in seine Verse getragen. Jenen Versen, die in mehreren Zyklen angeordnet sind, liegt ein grandioser Instinkt zugrunde, mit dem der Dichter Witterung aufgenommen hat, vor allem an verfallenen Stätten oder an verwaisten Plätzen in Estland, den piemontesischen Bergen,„Neue staubige Tage. Nuovi giorni di polvere. Yari Bernasconi“ weiterlesen

Lehmige Himmel

Gräserstille. Meine Kinderschritte fallen in das Leuchten des Mohns. Tropfnass, taunah hungert die Angst in meiner Hand wie ein zahmer Vogel. Ich lehne an bitteren Rinden und bleibe Frucht des Sommers, trotz der lehmigen Himmel. Ich bin geerdet durch die Wörter auf federndem Papier. Meine Lebensziffer treibt Wurzeln, bis in den jüngsten Schnee, der die„Lehmige Himmel“ weiterlesen

Am Ende der Straße

Mein Körper wird langsam Nacht, hinter den Apfelbäumen. Weinende Knochen, die Brücken meiden in Kornblumenblau. In meinen Taschen Schneereste vom vorigen Winter. Sie sind endlich wie ich, endlich still, bis auf den letzten Tropfen Wort vom trauernden Eis. Am Rande der Stadt vergessene, warme Haut, über die der Duft der Schwalben zieht. Mein Haus ist„Am Ende der Straße“ weiterlesen

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