Lederjackenwetter. Frída Ísberg

Die Gedichte von Frída Ísberg sind wie wilder, herber Wein. Dabei ungeheuer aufrichtig und authentisch. Es dominiert eine eher verborgene Poesie, die allerdings ein gehöriges Volumen hat, um zu überzeugen: „der mensch wächst / nicht wie ein baum / sondern wie eine wiese //“. Der Stoff ist solide: die Lederjacken, der Obdachlose, der Aberglaube, der„Lederjackenwetter. Frída Ísberg“ weiterlesen

Nach dem Skorpion

Ich schließe die Fenster des dunklen Weges und lass meine Schritte in Meere fließen, an der Südseite der fremden, wachsenden Frucht. Ein Buch mit leeren Seiten, die der Wind bewegt. Die Träume ausradiert, bis auf einen Skorpion. Er läuft über dein Herz entlang deiner Gezeiten am Rand der Wüste. Deine Hände graben im Sand nach„Nach dem Skorpion“ weiterlesen

Postoperativ

Die trockenen Flure bleichen die Gesichter. Ich pflücke die Stimmen von a nach b. Meine Schritte tropfen leise über den Weg in die blaue Lagune. Um den Hals des Arztes baumelt ein Kreuz, als seine Finger in meine Zukunft tauchen. Schmerzstillstand in narbigem Land. Die Zweifel am Stigma ziehen mit den Wolken. Ich betäube den„Postoperativ“ weiterlesen

Vom Süden

In der engen Gasse fallen meine Stunden in rote Schalen. Der Oleander hat Hitze gesogen. Ich lege einen heißen Zweig zwischen die Seiten deines ungeschriebenen Buches. Über den weißen Mamor fließt eine dunkle Elegie, aber deine Hände sind Schmetterlinge. Du nährst dich von gekreuzigter Milch und entstehst neu. Kerstin Fischer

Ein Stück aus Wind

Der Boden im Garten ist warm und ohne Nacht. Mein Dunkel haben die Bäume vergessen. Und sie sind nicht nachtragend. Die Farben meiner Bilder blättern von ihren Rinden in den einsamen Apfel auf der Bank, an der Weide des Geschlechts. Ich verlasse mein wolkentrockenes Haus und lege mit weißen Nüssen meine Patience in die Abrissbauten„Ein Stück aus Wind“ weiterlesen

Poetische Aussichten

Bis November werde ich auf meinem Blog ausschließlich eigene Lyrik veröffentlichen. Danach bespreche ich dann auch wieder aktuelle Lyrikbände, deren Poesie mich besonders anspricht. Darunter wird jene sein von Philippe Jaccottet, des großen Dichters, aber auch die der jungen isländischen Poetin Frída Ísberg, deren Gedichte Wolfgang Schiffer und Jón Thor Gíslason übersetzt haben. Und auch„Poetische Aussichten“ weiterlesen

Héloise

Die totgeglaubte Nacht fällt aus den rosa Muscheln in schwarzen Wind. Der nackte, regungslose Körper der Straße hat junges Licht verschluckt. Tränen fallen als reife Beeren auf pfirsichweiche Haut. Die erwachenden Knospen wie gesprungenes Porzellan, mit Rissen aus dunklem Fluss. Zwischen dem Schilf wächst das zarte Haus und verliert seine geschnitzten Türen an den grauen„Héloise“ weiterlesen

Vor dem Ende des Gedichts

Das Morgengrauen vor meinem Punkt, dem leichten Stein in der noch blassen See. Algenwachen. Die Rauchzeichen kommen vom Ufer her. Dort ist die Schminke unruhig. Über die dicken Lippen quellen Berichte sagenschwer auf der gepflügten Fifth Avenue. Mikrophone aus Zucker, zuckersüß. Schnalzende Gier. Die Stimmen wie Schlangen über dem Boden zwischen weißen Pferden. Stutenmilch im„Vor dem Ende des Gedichts“ weiterlesen

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