Eros Lächeln

Meine dunkle Wäsche trocknet über den Steinen am Fluss weiß,
während die Windräder ihre Lieder 
über die ergrünenden Felder reiben.
Um mich versöhnendes Licht.
Warm fällt es in die Sanduhren der Schwefeljahre,
in denen die Gewitter still geworden sind,
bis auf den Donner des Erinnerns 
in die Unnachgiebigkeit der Schieferwege
mit ihrem Odem aus Anthrazit ...
Unter meiner verblühenden Kirsche erst 
breche ich die Herzform aus meiner Zeit.
Nun unmittelbar du.
Beruhigte Hitze
in Eros Lächeln.

Kerstin Fischer 



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Graphit auf Papier. Kerstin Fischer 
 

Poetische Eröffnung

Schachlicht. Still. Bronzen.
Ich tauche meine Zeit in die Belange der Bauern.
Sie haben sieben Leben im Dienste des Königs.
Dann gehe ich mit den Springern über Hecken –
die Zügellosen. Sie fürchten die Eulen in den Türmen,
die von Weisheit zu Weisheit fliegen
und manchmal nach Petersburg
in das gleiche Spiel eines Zaren im blauen Jahrhundert.
Ich knüpfe meinen Tagtraum in die Teppiche seines Palastes
und verliere die Dame an den Seerosenteich ihrer Rivalin.
Das Todesurteil für den König. Während er im Moor versinkt,
singen die Krähen über seinen Gefallenen Mozarts Requiem.
Und ich seh nach dem Zaren.
Er ist fort …
Vielleicht ein Schachjahrhundert vorausgezogen, 
mit den Läufern.

Kerstin Fischer 


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Graphit auf Papier. Kerstin Fischer 

Lyriktagebuch Frühjahr 2020

Die Hitze stumm über den noch grünen Ähren
milde Geburt junger Gedankengräser
Sie wehen durch weiche Schatten
dunkler Lippen, die mich berühren
Ich liege auf schwarzen Küssen
und falle durch Regennetze 
in weißes fragendes Licht 

Kerstin Fischer 



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Graphit auf Papier. Kerstin Fischer 

.

Frucht

Ich baue Häuser in die müden Sitzmuster des Zuges
und ernte Trauben aus dem Gleiten der vorüberziehenden Felder
hinter den schwefligen Fenstern.
Das Abteil ist im Sonnengebet.
Die Fahrgäste sind mit den Vögeln gezogen.
Allesamt. Samtene Leere
um den Traum meiner Wörter von gelbem Papier mit Apfelgeruch. 

Kerstin Fischer  
 

Sinkstoff

Milchiges Licht über dem Regenbogen
nach Ankunft der schwarzen Schwestern.
Ich lösche die Brände unter ihren Zehen
und schneide die Jahresringe mit Veilchenlicht
aus dem Stigma der Stämme.
Am Neigungswinkel der Äste ins Ungewisse
Trauben an Reben aus Angst.
Ich vertraue ihr nicht
und die Angst sinkt in glasklare Seen,
blau vor Vernunft. 

Kerstin Fischer


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Graphit auf Papier. Kerstin Fischer  

Sommer andernorts

Auf dem Weg zu meiner inneren Königin 
Herzpappe in Pseudo Jasmin.
Sie lauert von den rauchigen Rändern der Erde her.
Ich lege sie in gläserne Schalen
unter die Zitronenbäume im hintersten Winkel des Gartens,
gleich neben mein Vergessen,
und warte auf klaren Schnee.

Kerstin Fischer 


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Graphit auf Papier. Kerstin Fischer

Wunde Milch

In dem schwarz-weißen Haus liegt mein Regen betäubt.
In seinem sehenden Fenster erinnerte Hunde
über den matt grünen Fliesen und ihren hungrigen Fugen.
Ich fühle die Tragik der Johannisbeeren
und ihrer Winterseelen an den Hängen des Gartens.
Die Gräser haben sich 
mit den Schreien der Schildkröte vernetzt 
und die Nächte sich längst in weiten Wüsten entleert.
Ich verfolge die stummen Wege der Spinnen.
Sie laufen über die Ruhe aus Kalk.
Ihr Weben röchelt über den Kacheln im blauen Bad.
Ich grüße die alten Gesichter im Spiegel
und wärme ihre Fragen.
Die späten Antworten ...
wie weiße Hirsche auf der Flucht.

Kerstin Fischer



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