Straßenkind

Der entzündete Blick des Jungen in der Morgenschale des Bahnhofs.
Er kommt aus dem Leder der Nacht
und verletzt sich am grellen Tag.
Die Hände des Kindes wie zitternder Wind 
teilen den Hunger mit den Tauben. 
Der Tod ist sein Vater, der es bewacht, 
wenn die finsteren Schluchten der Großstadt es schlucken
und rauchen wie Gras. 





Kerstin Fischer    

Nachtschrift

Über dem Papier schwimmt Nachtschrift, blau und gierig. 
Ich tauche meine Hände in das Alphabet der Wellen.
Rote Korallen am Grund meiner erfundenen Minuten.
Schwebeteilchen blutsverwandt
mit wilden Hirschen, die in Wasserträumen 
auf neuen Stunden grasen. 
Anderzeit. Weiche Waben indigo. 
Ich küsse Briefe in die Muscheln, die Wind getrunken haben, 
und mache mich auf den Weg zurück, 
bis in den schneeverwehten Sinn, kühl und endlich. 

Die Nachtschrift über dem Papier 
versunken hinter dem Punkt im Morgen.




Buntstiftzeichnung aus der Serie "Fluchtwelten". Kerstin Fischer    
         
   
Lyrikatelier Fischerhaus

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