In den Körben …

In den Körben der Dekapolis liegt Winter.
Ich halte sein gefrorenes Brot in meiner Hagebuttenhand. 
Die Sonne flüstert Tränennähe. 
Deine Trauer, der starke, weiße Samt über dem Feld, 
weich und einsam, von der Lunge der Zeit gerissen. 
Ich lege eine Amselfeder auf deine wunde Haut. 
Mein Wort wird Geburt.  



Kerstin Fischer 
 

Frohe Weihnachten

Ich wünsche schöne, poetische Festtage und ein gutes, neues Jahr, in dem es bei mir hier im Lyrikatelier wieder viele Gedichte geben wird. Wer sie lesen mag, ist herzlich dazu eingeladen.

Das Bild ist im letzten Jahr entstanden und gehört zu einer Serie mit autodidaktischen Graphitspielereien. Es gibt ein Abbild des Raumes, in dem ich mich bewege, zwischen den Welten, ihren Verschiebungen und ihrer erdnahen, magischen Korrespondenz, die ich gerne in meiner Lyrik zu beschreiben versuche.

Rote Beere Licht

Die Kranken des Wintergemäldes lungern in den Cafés.
Auf den Zungen tragen sie Brioche. 
Die Festtage liegen gefaltet in ihren Taschen,
neben dem Fischmehl.
Ich sitze am anderen Ende der Zeit
und sehe aus meinem Fenster in das wilde Herz der Wirklichkeit. 
Ihre fauligen Früchte glitzern in den missbrauchten Gesichtern. 
Die Lebkuchen pudern die Blicke sengend süß. 
Erbrochene Glühweinneurosen hinter den geschmückten Türen. 
Der Raureif meiner Gedanken. Du küsst ihn zu Feuer. 
Rote Beere Licht. In der Krippe das Kind. Nur. 



Kerstin Fischer        

Der Morgen

In meiner Brust ein weißer Vogel mit ausgebreiteten Flügeln -
die Unruhe meines Körpers, seit deiner Ankunft. 
Ich starre in die Augen des Morgengrauens, 
die im Spalt der Gardine flackern. 
Der Tagesanbruch ist endgültig.
Fieber bricht aus den Wolken auf mein Gesicht. 
Meine Gedanken kriechen wie Schnecken über den Boden.
Mit leuchtenden Bernsteinen beschwerst du meinen Geist. 
Sie kommen aus dem Unsagbaren des Meeres, 
von dem ich die Schleier ziehe, 
bis ein junges Wort entsteht. 
Ich lege es auf deine Lippen und werde ruhig. 



Kerstin Fischer 

Die Reise …

Die Reise, die ich nicht antrete, 
dringt in das Zimmer, von der Kerze im Fenster behütet
das Meer. Ich bin das Schilf am Ufer, in diesen Wintertagen,
biegsam und ängstlich. Meine Beine sind gebrochen im Sturm. 
In den Nächten krieche ich durch mein Traumverlangen. 
Ich erwache in hellen Kissen. 
Das Blut ist längst gestillt mit Morgenröte.
Die Fragen reifen an den Kleiderbügeln, eisern und nackt. 
Wie Nebel über dem Boden dein Schweigen. 
Die Schmetterlinge an meinen Lippen haben Köpfe aus Leben und Tod 
Sie finden mein Wort, selbst noch in Eis und Schnee. 




Kerstin Fischer    

Von Winter zu Winter

Aus deinen Augen fließt warme Ewigkeit in meine Hand.
Der Raum verschlingt mit seiner Seide meinen Körper. 
Meine gefrorenen Muscheln öffnen sich. 
Du tränkst die Weide mit Nachtlämmern. 
Lange schon sind meine Schritte zerbrochen
im gläsernen, blauen Wind, der nach Süden treibt. 
Du legst Minze auf meine Zunge, 
mit der ich dafür die jenseitigen Farben schmecke. 
Der Garten ist feucht, der Garten ist Nacht. 
Ich gehe auf Zehenspitzen, 
um die träumenden Schwalben nicht zu wecken.
Und ich gehe allein, vom Anfang zum Anfang
des Totentanzes in Eselsmilch,
von Winter zu Winter zu dir.
   



Kerstin Fischer         

Ein Stück Licht

Der Winter grüßt mager über dem Fluss, in diesem Jahr. 
Ich stehe am Ufer mit frostkalten Händen, 
die betrunkene Tauben füttern. 
Die Eisblumen in meinem Hirn sind gepflückt. 
Ich glaube an den heilenden Wind, der durch meine Wörter weht.
Sie sind ängstliche Nachtvögel, die in ihrem Turm bleiben, 
wenn mein Zug nach Venedig geht. 
Ich bettel um ein frisches Stück Licht für meinen Körper, 
der sich auflöst wie Zucker in warmer Milch, 
die deine roten Ritter trinken. Du und das Rot. 
Es fällt von den Brücken wie gefährlicher Gesang
und färbt meinen Tropfen Wirklichkeit. 
Ich bin dein Zögern. Es sitzt auf einer einsamen Bank 
mit einer süßen Feige in der Hand. 



Kerstin Fischer      

Lyrikatelier Fischerhaus

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