Vom Süden

In der engen Gasse fallen meine Stunden in rote Schalen. Der Oleander hat Hitze gesogen. Ich lege einen heißen Zweig zwischen die Seiten deines ungeschriebenen Buches. Über den weißen Mamor fließt eine dunkle Elegie, aber deine Hände sind Schmetterlinge. Du nährst dich von gekreuzigter Milch und entstehst neu. Kerstin Fischer

Ein Stück aus Wind

Der Boden im Garten ist warm und ohne Nacht. Mein Dunkel haben die Bäume vergessen. Und sie sind nicht nachtragend. Die Farben meiner Bilder blättern von ihren Rinden in den einsamen Apfel auf der Bank, an der Weide des Geschlechts. Ich verlasse mein wolkentrockenes Haus und lege mit weißen Nüssen meine Patience in die Abrissbauten„Ein Stück aus Wind“ weiterlesen

Héloise

Die totgeglaubte Nacht fällt aus den rosa Muscheln in schwarzen Wind. Der nackte, regungslose Körper der Straße hat junges Licht verschluckt. Tränen fallen als reife Beeren auf pfirsichweiche Haut. Die erwachenden Knospen wie gesprungenes Porzellan, mit Rissen aus dunklem Fluss. Zwischen dem Schilf wächst das zarte Haus und verliert seine geschnitzten Türen an den grauen„Héloise“ weiterlesen

Vor dem Ende des Gedichts

Das Morgengrauen vor meinem Punkt, dem leichten Stein in der noch blassen See. Algenwachen. Die Rauchzeichen kommen vom Ufer her. Dort ist die Schminke unruhig. Über die dicken Lippen quellen Berichte sagenschwer auf der gepflügten Fifth Avenue. Mikrophone aus Zucker, zuckersüß. Schnalzende Gier. Die Stimmen wie Schlangen über dem Boden zwischen weißen Pferden. Stutenmilch im„Vor dem Ende des Gedichts“ weiterlesen

Weißes Fragment

Das Warten schmilzt über den roten Dächern. Von den Wänden bröckelt knochenlose Zeit in den Geruch meiner Hände. Ich fülle den leeren Koffer mit Sekunden, die Wochen gebären. Die Krankenzimmer blühen. Das Weiß ihrer Wäsche fließt zwischen die Pappeln im Park. Ich gehe zu den Pfauen und folge ihren blauen Schritten, bis in die Winterweiden,„Weißes Fragment“ weiterlesen

Noch vor deiner Ankunft

Auf den Märkten werden die Birnen zu Steinen. Steinigung der Passanten vor den Augen deiner Poesie. Traubenreife Gedanken zimmern Säle, dämonenwarm. Sie brechen den Wörtern das Genick. Buchstabenheere, die auf Schiffe stürmen nach Übersee, ohne Seenot. Die kleinen, schwarzen Falter mit ihren dunklen Herzen haben die Finger für die Regenzeit lackiert. Auf dem Boden sind„Noch vor deiner Ankunft“ weiterlesen

Die Sprache des Taus

Die schwarzen Zweige hinter dem jungen Gesicht mit seinen meergefüllten Augen. Kirschen tropfen auf das Leichentuch, wenn die Väter gehen. In der blassen Höhle des Echos Mauern, weich wie Libellenflügel. Sie stehen in ruhigem, blauen Gras. Verstehst du die Sprache des Taus an diesem fremden Morgen? Die Welt fällt in zwei Hälften, wenn die Väter„Die Sprache des Taus“ weiterlesen

Abschied. Notat I

Bald verlasse ich mein Haus, mit seinen Wänden aus Veilchen. Aus dem kalten Koffer in dem dunklen Zimmer fließt die Silhouette des Südens. Ich öffne ihre Muscheln. Der Winter hat sie leicht und leer getrocknet. Ich fülle sie mit Stirb und Werde. Das gierige Maul des Koffers verschlingt die Gedanken an Wäsche. Wäsche für ein„Abschied. Notat I“ weiterlesen

Durst

Ich bin breiter Strand für die Nachtvögel, die durch den Tag schimmern, meervergessen. Sie picken ihre zeternden Visionen in den Sand. Er fällt durch die Zeiger der Uhren auf mein Krankenlager, das Soldaten umstellen, im toten Winkel des Lichts. Gestern noch, als die Wachsabdrücke der Verstorbenen scharfzüngig waren. Und heute am Berg die Bienen. Sie„Durst“ weiterlesen

Preludio

Meine Gebrechen sind getauft wie das Wasser im Fluss. Schneehaut, die sich vom Körper lösen wird, in der großen Klinik mit ihrem unbescholtenen Weiß. Noch gehen sie mit mir an zotteligen Krücken durch den Garten. Der Klang des Mooses erbt ihr Gesicht. Jeder Knochenschrei eine Note im endlichen Schatten. Die Endlichkeit ist ein großer Heißluftballon,„Preludio“ weiterlesen

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