Herbstvision

Im roten Kreuz der Herbstnebel Hagebutten. 
Eicheltanz unter meinen Füßen. 
Rehe fliehen vor ihrer Zeit. 
Der Tod kommt in Silben 
mit den kühlen Regentropfen
auf das gepflügte Feld. 
Ich sehe in die tiefe rostbraune Erde 
und ernte mit den Raben dunkle Milch.   

Kerstin Fischer 
     

Herbstgang

Unter meinen Füßen knacken Eicheln in die Herbststille
und berühren das Krächzen der Raben über dem Feld. 
Ich gedenke der zerworfenen Sommer in kornblumenblau. 
Nun verlieren die Blätter ihr Blut. 
Ockerlicht, braunes Beruhigen 
treibt in warme Zimmer, 
windgeschmeidig, die Musik anthrazit. 
Ich lege den Mantel um mein Gedicht.         

Die Stadt

Stadtgeflimmer. Stimmen verschwinden in Spalten. 
Hölzernes Hacken der Schuhe auf berunkenem Pflaster. 
Auf den Bügeln wehen T-Shirts aus Bangladesch. 
Münder eilen ihren Hirnen voraus in die Marktpassage. 
Die Regenbögen sind die Einkaufsnetze des heiligen Konsums. 
Cashback für die Kaninchen in den Zoohandlungen, 
die mit rauen Zungen von Wiesen reden, 
während Orangen auf den Bordstein rollen und zu Bäumchen werden. 
Die Dohlen nisten am Meer einstweilen, 
ohne das Wehklagen der Hausfrauen zu beherzigen.
Eierschalfarbene Hüte bleiben zum Trost, 
wenn das Café seine Seele in Cappuccino gießt, 
und der Tag seine Dichter berührt.       
Die Stille glänzt in dem alten Park 
bis unter die Steinbrücken. 
Im Spätsommerspiel auftauchende Läufer. 
Sie berühren unseren Weg,
der mit uns vergeht. Schritt für Schritt
Verfall der bleichen Gesichter am Steg. 
Sie setzen sich in die Boote ihrem Herbst zum Trotz. 
Amusement auf dem Wasser, 
in das die letzte Zeit fließt.
Wir warten mit den grauen Käfern. 
Der Tod flüstert zwischen den Bäumen blaue Silben. 
Morgenwind in trägem Licht. 
Ich berühre deine Finger und ernte deine Eicheln. 
Deine Netze schützen mich vor dem Schnee auf meiner Haut. 
Mein Winter glüht in den Seen deiner Augen 
zum Himbeerkuss. 

Kerstin Fischer 
 
           
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