Sommerlyrik

Ich treibe durch heißen Stadtwind
in ein Straßencafé.
Auf den verlassenen Tischen sind Reste in den Gläsern.
Die Zeit wurde fast leergetrunken.
Ich halte Ausschau nach den Zeitrinkern,
nach ihrem Winter und dem heißen Schnee 
unter ihren brennenden Sohlen.
Sie verschwinden im offenen Maul des Kaufhauses
und lassen Winter zurück.
Ich setze mich auf einen ihrer abgesessenen Stühle
und friere mitten in der Philosophie des Sommers.


Ich bestelle Latte macchiato und suche nach meiner Zeit.
Sie flieht auf weißen Pferden
noch ehe ich von ihr trinken kann.
Die Flucht ist meine Zeit.
Sie flieht den Sommer, den Winter
und liebt den Herbst.


Ich schreibe mit bunten Blättern auf weißen Bögen
am Morgen.
Morgen auch ich auf der Flucht.
Morgen auch ich Herbst.

Kerstin Fischer 

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