in adern dünn brach licht. Axel Karner

Die markanten Gedichte von Axel Karner fliehen die Schatten, ohne sie zu leugnen. Das macht den Grundton ernsthaft zauberhaft. Die Bilder sind eindrücklich, mal schön, mal schaurig. Es gibt mehrere schillernde Ebenen der Betrachtung, um zur Wahrheit zu kommen, dem vermeintlichen Idyll: „Die Eingänge der Dörfer säumen Kletznbirn, / den Pfad gen Paradies ziert ein Gravensteiner. / Oder „Kruzitürkn, / am Galgenbaum in der Mitte / – der Hund (hört, so er will, auf Amor) / markiert sein Revier – / hängen die Narren und Kinder. / “„ Schreibt hier ein unruhiger Geist? Ist es das, was die große Dynamik in den Texten verantwortet? Sie sind jedenfalls mitreißend. Dabei führen nur schmale Stege zur Erkenntnis: „Ein Labyrinth ist ein Labyrinth. / Fände niemand heraus, / wer erführe davon? // Vom Ort der Wahrheit – ein Idyll.“ Kunstvoll ist das gemacht, denn vieles bleibt offen im Kopfkino.

In ihrem Minimalismus betören die Gedichte im Mittelteil des Bandes, betören in stillen Vibrationen, die unter die Haut gehen: „im totenkleid / liegt das land / und dachte / der himmel sei taub // meine wünsche / sind asche / die zunge / brennt ihr nicht ein“ .

Edles Treibholz wird hier bewegt auf den Wellen eines fordernden Meeres. Domestizierte Momente, die an dem Saum der Existenz laufen, die etwa Gott, die Liebe und den Tod in Abwägung bringen, verspielt und burschikos zugleich, stehen sich Rede und Antwort. Infiziert ist diese Zwiesprache von den Geheimnissen des Daseins, souverän in einem Anflug von Weisheit, dann wieder schalkhaft.

Die Texte, die wie seidene Winter daherkommen, überraschen in ihrer Virtuosität, aber sie sind auch voller Rätsel, die den Leser oft genug ratlos zurücklassen.

Das Kryptische in den Relationen ist allerdings immer in einer magischen Art verbindlich. „ich kenne sie // ein kelch zum mahl / fleischt süßer spieß // hopp hopp und glotzt / am sitz der brüst / der frauen wegen / lässt // rosenblatt / kreisch frei / reib scham“. Dadurch bleibt man den Gedichten zugewandt und wärmt sich an den großen Feuern ihrer Abenteuer.

In adern dünn brach licht. Axel Karner. Wieser Verlag, 2020

2 Kommentare zu „in adern dünn brach licht. Axel Karner

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