Zaunkönig

Äste schlagen im Morgenwind gegen das Fenster.
Nägel, die die Stille durchbohren. 
Ich vergrabe das Stigma in roter Erde, 
als meine Haut aus Papier an den wilden Flüssen zerreißt.
Die Farbe auf der Palette aber ist wie eine Katze, 
die um meine Beine streicht.
Im Zimmer die Orange. 
Ich öffne ihre Gestalt und trinke ihre Phantasie.
Sie sammelt sich in den Mundwinkeln des weißen Blattes, 
über das die Kugel deiner Einsamkeit zu rollen beginnt.
Schwer ist sie, so dass ich sie kaum ertrage. 
Ich blicke in die Blutleere der Engel
auf der Piazza meines Handrückens 
und gebe dem Zaunkönig deine Stimme. 
Er sitzt auf dem Baum vor der gläsernen Tür,
die mit dem Winter zerspringt.
In Jerusalem liegt mein Geist in Scherben. 


(Auszug aus dem Gedichtzyklus "Chagalls Traum") 

Kerstin Fischer             

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